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Heimatministerium

So bekommen wir also jetzt ein Heimatministerium. Ok nicht ganz, sondern als Teil des Innenministeriums. Dennoch: Auch nach Tagen des darüber Sinnieres werde ich mit dem Begriff nicht warm. Ich erinnere mich, als am Ende der Koalitionsverhandlungen der Begriff das erste Mal in den Medien erschien, war mein erster Gedanke „Heimatministerium? Was soll das denn sein?“. Zugegebenermaßen war mir entgangen – oder ich habe es vergessen? -, dass es in Bayern bereits seit 2014 ein Heimatministerium gibt. Offensichtlich ist es in den überregionalen Medien und selbst in der SZ nicht häufig genug Thema gewesen, dass ich davon gelesen hätte.
Aber nun bekommt die Bundesrepublik ein Heimatministerium. Mit einem Minister Horst Seehofer. Zweiter Gedanke: „Na Servus. Ausgerechnet.“ Das Gefühl, dass die Besetzung dieses Ministeriums mit diesem Minister Rückschritt bedeutet, Rückschritt, Rückfall. Bilder aus deutschen 50er Jahre Filmen tauchten vor meinem inneren Auge auf: Blümchentapeten, Couchtische mit Tellern voll Russischer Eier, Käse-Trauben-Spießchen und Hausfrauen mit Rüschenschürzen umgebunden, die lächelnd ihren Männern die karierten Pantoffeln und das Feierabendbier reichen. Na Servus.
Mein gespaltenes Heimatgefühl, das in den letzten zwei-drei Jahren noch gespaltener wurde, erfährt eine weitere Vertiefung des Risses.
Schon früh war mein Gefühl zu Heimat gespalten. Eine Bodenverbundenheit ist mir weitgehend fremd. Heimat ist, wo Menschen sind, die ich mag, die mich kennen und mögen. Familie, Freunde. Im Laufe meines Lebens habe ich unterschiedliche Orte als Heimat betrachtet. Der Ort an dem ich aufgewachsen bin, einen meiner Studienorte (den anderen nicht, obwohl ich dort gute Freunde gefunden habe), Orte, an denen ich später gelebt, gearbeitet habe. Dass ich in der Mitte meines Lebens wieder an den Ort meiner Kindheit zurückgekehrt bin, war ungeplant und eher einer Verquickung von Umständen geschuldet.
„Heimat ist, wo ich mich nicht erklären muss.“ Johann Gottfried von Herder (1744-1803)
In der Interkulturellen Kompetenz wird dieses Zitat auf Kultur bezogen. Heimat als Ort an dem mein kulturell bedingtes Verhalten, die kulturellen Werte und Normen, die mein Verhalten prägen, allgemeine Norm sind und nicht in Frage gestellt werden. Bin ich in der Fremde, so gelten andere kulturellen Werte und Normen und entweder ich passe mich an oder mein Verhalten fällt bestenfalls als Anders auf, eventuell als unangemessen oder schlimmstenfalls als inakzeptabel. Soweit so gut.
Was hat das jetzt mit einem Heimatministerium zu tun? Ist ein Heimatministerium ein Ort oder eine Person, die die kulturellen Werte und Normen bestimmt, die mir dann vertraut sein sollen? Siehe Russisch Ei und Rüschenschürze. Oder kommt das unsägliche Thema Leitkultur wieder auf? Mir graust, wie an anderer Stelle geschrieben, vor einer Leitkultur, die von ergrauten älteren Herren oder Damen definiert wird – und das obwohl ich selbst nicht mehr jung an Jahren bin. Nun sind die genauen Aufgaben dieses Bundesheimatministeriums noch offen, eine Idee kann man von den Aufgaben und der inhaltlichen Ausrichtung des Bayerischen Heimatministeriums bekommen (das das Ministerium Markus Söders ist, Seehofers CSU-internem Rivalen …).
„Landesentwicklung und Breitbandausbau – das sind die zentralen Aufgaben des Heimatministeriums in Nürnberg.“ So liest man auf der Internetseite des „Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, für Landentwicklung und Heimat“. Sowohl auf der Internetseite, als auch im verlinkten Flyer nimmt den weitaus größten Raum die Geschichte und Architektur des Gebäudes, in dem das bayerische Heimatministerium seinen Sitz hat, ein. Hat man nicht mehr zu sagen? Aber welche Aufgaben sind zu finden? Digitalisierung, Ausbau schnellen Internets, Behördenverlagerungen, Immoblienmanagement, Verwaltung der der Staatsbäder und Schlösser. Das war’s? Das war’s.
Verwiesen wird noch auf den „Heimatplan“, dazu erläutert Minister Söder, dass dieser im Grunde die als Aufgaben genannten Punkte beinhaltet plus Stärkung des ländlichen Raums (u.a. durch Ausbau des schnellen Internets und Behördenverlagerungen). Auch die Regierungserklärung des Ministers Söder vom 27.11.2014 ist zwar länger, sagt nicht viel mehr aus. Ok. Nach bayerischem Verständnis ist ein Heimatministerium also v.a. für Breitbandausbau und Stärkung des ländlichen Raums zuständig. Im Entwurf des Koalitionsvertrags vom 07. Februar 2018 steht jedoch, dass es ein Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geben soll (das ebenfalls an die CSU geht). Was bleibt denn dann noch für ein Heimatministerium an Aufgaben übrig?
„Seehofer selbst hat sich zu seinen Plänen bisher nur vage erklärt. Das Vorhaben eines Heimatministeriums ziele darauf, gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Deutschland herzustellen, sagte er kürzlich. Er wolle verhindern, dass immer mehr junge Menschen in prosperierende Städte abwandern, während ländliche Regionen ausbluten.“ So zu lesen in der SZ
Es bleibt wohl nur abzuwarten, ob es am Ende ein Infrastrukturministerium, ein Leitkulturministerium oder eine Luftnummer ist.

Ins Unreine gedacht: „Digitalisierung als Jobvernichter“

Dieses Gespenst geistert derzeit in schöner Regelmässigkeit durch unsere Medien (z.B. Spiegel). Wellenweise als Damoklesschwert oder als heilbringender Erlöser. Klar ist: Die Digitalisierung kommt nicht. Sie ist bereits da.

Was sollte man nun tun? Es ist nicht mehr die Zeit für die Entwicklung von Utopien. Denn diese Realtität ist nicht in einer fernen Zukunft. Diese Realität ist (spätestens) morgen. Man muss sich jetzt Alternativen zur klassischen Arbeit, für die Menschen, für den Einzelnen überlegen. Eine Idee wäre eine höhere Besteuerung von Unternehmen, da diese geringere Ausgaben durch die Digitalisierung haben. Diese Steuermehreinnahmen sollten der Bevölkerung zugute kommen. Stichwort bedingungsloses Grundeinkommen. Nicht als Almosen, sondern als Basis, die es möglich macht nur noch Teilzeit zu arbeiten und dennoch einigermaßen gut leben zu können. Da sind wir schon beim zweiten Punkt: Die noch vorhandene Arbeit muss aufgeteilt werden. Die 40 Stunden Woche ist vor der Perspektive einer Fast-Gegenwart in der es Millionen Jobs weniger gibt, ein überkommenes Modell. Das heißt die noch bestehenden Jobs müssten geteilt werden, auf mehr Schultern verteilt werden. Und was macht man dann in der mehr gewordenen Freizeit? Eine Aufwertung der Geisteswissenschaften, eine Aufwertung von Beschäftigungen, wie Lesen, Schreiben, Musik machen, Sprachen lernen täte gut. Eine Förderung derselben in der Gesellschaft täte der Gesellschaft gut. Ebenso: politische Bildung, Diskussionskultur, aber auch Sport etc. Als Utopie gedacht (nun also doch …) wäre es eine Möglichkeit für ein gutes Leben. Teilzeitjob und viel Zeit für Kinder und Aktivitäten für und in der Gemeinschaft. Die Vereinskultur würde einen Aufschwung erleben, das Miteinander würde stärker werden. Stressbedingte und andere Berufskrankheiten gingen zurück, durch Förderung des Sports oder einfach, weil die Leute mehr Zeit dafür haben, könnte die Gesundheit allgemein besser werden, was wiederum die Krankenkassen entlastete. Familien hätten mehr Zeit sich um ältere Angehörige zu kümmern, was wiederum den Pflegebereich entlastete. Win-win. Gerade ein Land wie Deutschland, das wegen seiner hohen Steuereinnahmen wohlhabend ist, sollte hier Vorreiter sein und nicht nur die Gegenwart verwalten, sondern die Zukunft gestalten. Diese Zukunft ist jetzt.

2017 Bücher – Belletristik

Zu Beginn eines jeden neuen Jahres nehme ich mir meinen „im letzten Jahr gelesen“-Stapel vor, und denke beim Einsortieren der Bücher noch einmal über sie nach. Daraus wurde diese Liste. Sie besteht aus Büchern, die ich zum ersten Mal gelesen habe und aus Büchern, die ich schon einmal gelesen habe und wieder aus dem Regal genommen habe. Reads & Rereads also.

Anmerkung:
Bei Werken, die ich im Englischen Original gelesen habe, sind Erscheinungsort und -jahr der Erstveröffentlichung genannt. Bei Übersetzungen (Dt./Engl.) Erscheinungsort und -jahr der Übersetzung, da eine Übersetzung immer auch ein Zeitbild ist – egal wie nah sie dem Original kommt.

Neu gelesen habe ich:

Adichie, Chiamando Ngozi: Americanah. Dt. Berlin 2013.
Al-Aswani, Alaa: Der Automobilclub von Kairo. Dt. Frankfurt 2015.
Ali, Bachtyar: Der letzte Granatapfel. Dt. Zürich 2016.
Atwood, Margret: The Handmaid’s Tale. Toronto 1985.
Desperates, Virginie: Das Leben des Vernon Subutex. Dt. Köln 2017.
Dürrenmatt, Friedrich: Die Panne. Zürich 1956.
Ferrante, Elena: Die Geschichte der getrennten Wege. Dt. Berlin 2017.
Gibson, William: Neuromancer. New York 1984.
Khalifa, Khaled: In the Praise of Hatred. Engl. London 2013.
Laferriere, Dany: Die Kunst einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden. Dt. Heidelberg 2017.
Livaneli, Zülfü: Serenade für Nadja. Dt. Berlin 2015.
Mujila, Fiston Mwanza: Tram 83. Dt. Wien 2016.
Murakami, Haruki: Wilde Schafsjagd. Dt. Berlin 2006.
Zafon, Carlos Ruis: Das Labyrinth der Lichter. Dt. Berlin 2017.

Wieder gelesen wurden:

Austen, Jane: Pride and Prejudice. Whitehall 1813.
Heller, Joseph: Catch 22. New York 1961.
Orwell, George: 1984. New York 1949.
Smith, Patti: Just Kids. New York 2010.
Vonnegut, Kurt: Slaughterhouse 5. New York 1969.

Leitkultur

Leitkultur, Leitkultur, Leitkultur … in schöner Regelmässigkeit geistert das Wort durch die Medien. In der Regel von sich profilieren wollenden Politikern (de Maiziere, Sarrazin). Und jedes Mal jagt es mir einen Schauer über den Rücken und verursacht ein Unwohlsein, das je nach Sprecher bis zur Übelkeit gerät. Was wollen die Herren – und vereinzelte Damen – hier festschreiben? Nein, man muss eher fragen, was wollen meist ältere Herren und Damen hier festschreiben? Jedes Mal schießt mir blitzartig ein Gedanke durch den Kopf: Was wäre wenn in den frühen 50er Jahren eine Leitkultur festgeschrieben worden wäre?“ Wo stünden wir dann heute? Wo stünde ich als Frau dann heute? Schnell muss ich den Kopf schütteln, um diesen grausigen Gedanken loszuwerden, fühle ich mich doch schnell eingeengt und gefangen. Den Wertewandel, der in der Bundesrepublik in den letzten 60+ Jahren vonstatten ging, finde ich sehr begrüßenswert (Demokratisierung, Meinung- und Pressefreiheit, Emanzipation, Verbot der Prügelstrafe – um nun einige zu nennen). Hätten all diese Entwicklungen stattgefunden, wenn in den frühen 50ern eine Leitkultur festgeschrieben worden wäre? Meine Mutter hat oft erzählt, wie sie noch Anfang der 60er vom Dorf als treulose, undankbare Tochter betrachtet wurde, weil sie ein Jahr als Au-pair nach London ging, anstatt weiter im Büro des elterlichen Betriebs zu arbeiten. Will ich das? Will ich das für meine Kinder? Nein! Auch keine Lehrer, die mit dem Rohrstock Tatzen geben (obwohl es bereits verboten war – und die Eltern haben sich nicht gewehrt), keine Notwendigkeit eine Genehmigung des Ehemanns einzuholen, wenn ich arbeiten (in der BRD bis 1977) oder ein Bankkonto eröffnen will (in der BRD bis 1957). Hilfe, nein!

Interessante Gedanken zum Thema findet man u.a. in diesen Berichten:
Deutsche Welle: Stichwort Leitkultur
Deutschlandfunk: „Mit dem Begriff der Leitkultur …“
Bundeszentrale für politische Bildung: Leitkultur als …
RP Online: Jürgen Habermas zur Leitkultur

 

 

 

 

 

Abi? Nix wie weg! – Interkulturelle Kompetenz für Abiturienten

Das Abi in der Tasche und dann nichts wie weg und die Welt kennenlernen. Was gibt es Schöneres? Um den Traum Wirklichkeit werden zu lassen ist eine gute Vorbereitung wichtig. Interkulturelle Kompetenz hilft dabei, von Anfang an fremdes Verhalten zu verstehen und die eigenen Vorstellungen einzuordnen. In diesem Tagesseminar werden die Themen Kultur, Fremdheit, Stereotype, Attributionen und Kulturschock besprochen. Auch unterschiedliches Verständnis von Zeit, Freundschaft und Kommunikation wird erörtert. Das Seminar richtet sich an junge Erwachsene, die nach dem Schulabschluss via Work&Travel, zum Studium oder auf andere Art und Weise ins Ausland möchten und ist eine ideale Grundlage dazu.

DaF für Flüchtlinge und Asylbewerber

Dieses Seminar für alle, die ehrenamtlich Deutsch unterrichten wollen und wenig oder keine Erfahrung haben, vermittelt einen Einstieg in diesen Bereich.
Inhalte sind: die Zielgruppe Flüchtlinge und Asylbewerber, Interkulturalität im Sprachunterricht, heterogene Lernniveaus, der GER als Grundlage für den Unterricht und Wortschatz, Themen und Problemfelder. Nach dem Training haben Sie ein Bündel an Hilfestellungen und Methoden, die sie im Unterricht um- und einsetzten können.
Dauer: 12 UE (3 Abende je vier UE, z.B. 18-21 Uhr)
Zielgruppe: Ehrenamtliche, Mitarbeiter von Kommunen und Hilfsorganisationen
Weitere Informationen: Kontakt

Einführung in die arabische Sprache für Ehrenamtliche

Neu ankommende Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak oder anderen arabischen Ländern können oft kein Deutsch und kein Englisch. In diesem Schnellkurs lernen Sie die wichtigsten alltäglichen Sätze, Fragen und Antworten, wie z.B.: „Ich heiße …“, „Wie heißen Sie?“, „Woher kommen Sie?“ usw. Es werden auch Antworten auf Fragen wie, warum arabische Namen oft so unterschiedlich in lateinischen Buchstaben geschrieben werden oder warum wir die arabischen Zahlen nicht lesen können, gegeben.
Dauer: 3×90 Minuten (6UE)
Zielgruppe: Ehrenamtliche, Mitarbeiter von Kommunen und Hilfsorganisationen

Arabische Muttersprachler unterrichten

Dieses neue Seminarangebot richtet sich an DaF-Lehrkräfte, die Menschen unterrichten, deren Muttersprache Arabisch ist. Die Lern-Hürden, die entstehen, da das Arabische einen anderen Aufbau/eine andere Struktur, als das Deutsche hat, werden besprochen. Mit dem Wissen aus diesem Seminar wird v.a. der Unterricht von Gruppen, die noch keine oder wenig Vorkenntnisse im Deutschen haben einfacher und erfolgreicher.

Dauer: 6UE (3 Stunden)
Zielgruppe: DaF-Lehrkräfte
Weitere Informationen: Kontakt