Ins Unreine gedacht: „Digitalisierung als Jobvernichter“

Dieses Gespenst geistert derzeit in schöner Regelmässigkeit durch unsere Medien (z.B. Spiegel). Wellenweise als Damoklesschwert oder als heilbringender Erlöser. Klar ist: Die Digitalisierung kommt nicht. Sie ist bereits da.

Was sollte man nun tun? Es ist nicht mehr die Zeit für die Entwicklung von Utopien. Denn diese Realtität ist nicht in einer fernen Zukunft. Diese Realität ist (spätestens) morgen. Man muss sich jetzt Alternativen zur klassischen Arbeit, für die Menschen, für den Einzelnen überlegen. Eine Idee wäre eine höhere Besteuerung von Unternehmen, da diese geringere Ausgaben durch die Digitalisierung haben. Diese Steuermehreinnahmen sollten der Bevölkerung zugute kommen. Stichwort bedingungsloses Grundeinkommen. Nicht als Almosen, sondern als Basis, die es möglich macht nur noch Teilzeit zu arbeiten und dennoch einigermaßen gut leben zu können. Da sind wir schon beim zweiten Punkt: Die noch vorhandene Arbeit muss aufgeteilt werden. Die 40 Stunden Woche ist vor der Perspektive einer Fast-Gegenwart in der es Millionen Jobs weniger gibt, ein überkommenes Modell. Das heißt die noch bestehenden Jobs müssten geteilt werden, auf mehr Schultern verteilt werden. Und was macht man dann in der mehr gewordenen Freizeit? Eine Aufwertung der Geisteswissenschaften, eine Aufwertung von Beschäftigungen, wie Lesen, Schreiben, Musik machen, Sprachen lernen täte gut. Eine Förderung derselben in der Gesellschaft täte der Gesellschaft gut. Ebenso: politische Bildung, Diskussionskultur, aber auch Sport etc. Als Utopie gedacht (nun also doch …) wäre es eine Möglichkeit für ein gutes Leben. Teilzeitjob und viel Zeit für Kinder und Aktivitäten für und in der Gemeinschaft. Die Vereinskultur würde einen Aufschwung erleben, das Miteinander würde stärker werden. Stressbedingte und andere Berufskrankheiten gingen zurück, durch Förderung des Sports oder einfach, weil die Leute mehr Zeit dafür haben, könnte die Gesundheit allgemein besser werden, was wiederum die Krankenkassen entlastete. Familien hätten mehr Zeit sich um ältere Angehörige zu kümmern, was wiederum den Pflegebereich entlastete. Win-win. Gerade ein Land wie Deutschland, das wegen seiner hohen Steuereinnahmen wohlhabend ist, sollte hier Vorreiter sein und nicht nur die Gegenwart verwalten, sondern die Zukunft gestalten. Diese Zukunft ist jetzt.